Der ökologische Nutzen und die Klimabilanz von E10 sind dabei umstritten. Für die Anbauflächen müssen teilweise Wälder gerodet werden. Zudem steht die Erzeugung des Biokraftstoffes in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion.
Darüber hinaus gibt es Befürchtungen hinsichtlich der Verträglichkeit von E10 für die Fahrzeuge. Zwar heißt es offiziell, dass 90 Prozent aller Fahrzeuge problemlos den neuen Kraftstoff tanken könnten, Experten namhafter Hersteller befürchten aber, dass der Kraftstoff bei allen Fahrzeugen den Motorverschleiß beschleunigen könnte.
Diese Verunsicherung hat dazu geführt, dass die Tankstellen den neuen Kraftstoff nicht im gewünschten Ausmaß absetzen können – und das, obwohl der Sprit einige Cent günstiger ist als Super Plus. So tanken rund 70 Prozent der Autofahrer noch Super Plus. Das wiederum führt zu Lieferengpässen bei diesem Kraftstoff, während die Tanks mit E10 voll bleiben. Die Tankstellen, die bereits auf den neuen Biosprit umgestellt haben, stehen somit vor erheblichen Problemen.
Wenn die Verbraucher den neuen Kraftstoff weiter meiden, schaffen es die Mineralölkonzerne womöglich nicht, die für dieses Jahr vorgegebene Quote von 6,25 Prozent Biokraftstoff zu erfüllen. Dann drohen ihnen Strafzahlungen, die wohl auf die Kunden abgewälzt würden.
Die Absicht, den CO2-Ausstoß und die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, ist absolut begrüßenswert. Eine gute Absicht allein reicht allerdings nicht aus, sondern die Maßnahmen müssen vernünftig umgesetzt werden und einen konkreten Nutzen haben. Eine reine Symbolpolitik hilft niemand. Hier muss die EU bürgerfreundlicher werden, aber auch die nationale Politik darf Entscheidungen nicht über die Köpfe der Bürger hinweg treffen. Der Biosprit wird sich letztendlich nur durchsetzen, wenn die Bürger vom Sinn und Nutzen von E10 überzeugt sind.